Gruftanlagen auf dem Hauptfriedhof Mainz Erbaut 1850 bis 1920
Im Jahr 1850 wurde nach einer abermaligen Erweiterung des Hauptfriedhofs und dem Erlass einer neuen Friedhofsordnung den so genannten Erbbegräbnissen der obere, das heißt westliche Rand des Friedhofs zugewiesen. In dieser traditionell den privilegierten Grabstellen vorbehaltenen Lage entstanden zwischen 1850 und 1920 Gruftanlagen, die zu den herausragenden Zeugnissen der Stadtgeschichte und Sepulkralkultur gehören. Sie zeigen in stilistischer Vielfalt die unterschiedlichen baulichen Varianten von Grabstätten dieser Art.
Den Beginn der Gruftenreihe bildet im Nordwestern die Hanggruft für Jakob Kratzer von 1850, der 1844 das Gelände für die Erweiterung des Friedhofs der Stadt übereignet hatte. Das übereck gestellte antizipierende Portal führt unter einem künstlich aufgeschütteten Hügel zur gemauerten Grabkammer. Neben wenigen Grabkapellen, zu denen beispielsweise die neogotische Gruft Bembé von 1869 gehört, wurden vor allem in der Zeit zwischen 1880 und 1920 reich verzierte Grabwände hinter einer eingefriedeten, flachen Gruftabdeckung errichtet (so zum Beispiel Gruft Usinger von 1879). Die außergewöhnlichen Gruftportale, die im Wesentlichen zwischen 1850 und 1879 entstanden, stellen eine seltene Sonderform dar. Die Portalanlage ist direkt am Friedhofsweg mit einem durchbrochenen Gittertor verschlossen. Ein meist gewölbter Treppenabgang führt in die gemauerte Grabkammer. Gerahmt werden die teilweise prächtigen Portale durch aufwändige Einfriedungen.
Zurückzuführen ist diese besondere Form von Gruftanlagen vermutlich auf die langjährigen Diskussionen, die der neuen Friedhofsordnung vorausgegangen waren. Eine 1844 vom Stadtrat eingerichtete Kommission hatte aus Angst vor „infizierter Luft” und der Seuchengefahr prinzipiell von der Errichtung von Gruftanlagen abgeraten. Das Öffnen der bereits bestehenden 22 gemauerten Gruftanlagen sollte sogar bei Gefängnisstrafe untersagt werden. Wohl durch den Einfluss wohlhabender Bürger, die eine Gruft als einzig angemessene Ruhestätte ansahen, gestattete man trotzdem deren Errichtung; allerdings nicht in der unzugänglichen, abgedeckten Form, sondern in der so genannten Backofenform, die für jede Bestattung eine separate Kammer bietet.
Gruftanlagen on Main Cemetery Mainz Built 1850 to 1920
In 1850, after a renewed extension of the main cemetery and the adoption of new cemetery regulations, the so-called upper hereditary burials were assigned the western edge of the cemetery. In this location, traditionally reserved for privileged gravesites, tombs were erected between 1850 and 1920 that are among the outstanding testimonies of the city's history and sepulchral culture. They show in stylistic diversity the different structural variants of tombs of this kind.
The beginning of the row of tombs forms in the northwest of the hillside cave for Jakob Kraetzer from 1850, who had in 1844 the site for the extension of the cemetery of the city had been assigned. The anticipating portal, which is placed in the opposite direction, leads under an artificially heaped up hill to the masonry burial chamber. In addition to a few funerary chapels, including the neo-Gothic crypt Bembé from 1869, for example, between 1880 and 1920, richly decorated tomb walls were erected behind a fenced, shallow tomb cover (for example the Crypt Usinger from 1879). The extraordinary crypt portals, which were created mainly between 1850 and 1879, represent a rare special form. The portal system is closed directly on the cemetery path with a perforated gate. A mostly arched staircase leads into the bricked burial chamber. The partially magnificent portals are framed by elaborate enclosures.
This particular form of crypt is probably due to the many years of discussion that preceded the new cemetery order. A commission established in 1844 by the city council had discouraged the construction of tombs for fear of "infected air" and the risk of epidemics. The opening of the already existing 22 brick tombs should be prohibited even on imprisonment. Nonetheless, the establishment of wealthy citizens, who regarded a tomb as the only suitable resting place, permitted their establishment; but not in the inaccessible, covered form, but in the so-called oven shape, which offers a separate chamber for each funeral.
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